Besichtigung der zentralen S21 Baulogistikstrasse

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Zirka 100 Besucher folgten heute der Einladung der Stadtteilgruppe Nordlichter zu einem Rundgang im Nordbahnhofviertel um Informationen aus erster Hand über den aktuellen Stand der sogenannten „zentralen Baulogistik“ zu bekommen, die für das Bahnprojekt Stuttgart 21 aufgebaut werden soll. Herzstück dieser Baumaßnahme ist ein Bahneigenes Strassennetz, auf welchem die Baufahrzeuge verkehren sollen und den aus den Planfestellungsabschnitt 1.1 bis 1.x anfallenden Abraum auf Züge verladen sollen.

Die Gruppe Nordlichter wurde bei diesem Rundgang von dem Experten Dr.-Ing. Hans-Jörg Jäkel unterstützt. An ausgewählten Punkten auf dem etwa 2 stündigen Rundgang bekamen die Teilnehmer einen Überblick über die aktuellen und geplanten Baumaßnahmen. Dr. Hans-Jörg Jäkel erläuterte die Planungen der Bahn und erklärte den von den Baumaßnahmen betroffenen Zuhörern, die zum Teil massiven Abweichungen zum heutigen Ist-Zustand. Mit wenigen Ausnahmen sind im Bereich der zentralen Baulogistik die meisten Baumaßnahmen bereits deutlich sichtbar in Verzug.

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So fehlen der Bahn für ihre zentrale Baulogistik noch ganze Strassenabschnitte und Zufahrtsrampen etwa im Bereich der Rosensteinstrasse. Hier muss die Baulogistikstrasse abschnittsweise auf Brücken neben dem angepassten Bahndamm entlang geführt werden. Auch im Bereich der Wolframstr gibt es massive Komplikationen und Verzögerungen. Hier müssen vorab S-Bahn-Tunnel sowie Bauwerke für die neue U12-Stadtbahnlinie mit der Wolframstr. gekreuzt werden. Ingenieur Jäkel veranschaulichte zudem, wie wenig dabei auf Radfahrer und Fussgänger Rücksicht genommen wird.

Auch mit dem „städtebaulichen Argument“, welches von den Projektbefürwortern in diesem Kontext immer wieder gerne eingebracht wird, ging Jäkel hart ins Gericht. Ein Zusammenwachsen der Stadtteile Ost und Nordbahnhofviertel findet durch den zukünftigen Abbau der Gleise zwar in einem gewissen Umfang statt, werde aber durch die komplizierte und schlecht geplante Verkehrsführung im Bereich der Wolframstrasse  Ad Absurdum geführt. Eine Hilfszufahrt zu den bereits fertiggestellten Abschnitten der Logistikstrassen bestätigt gewissermaßen die Vermutung, dass die Bahn durch die zeitlichen Verzögerungen gar gezwungen ist, zunächst erstmal einen sehr kleinen Abschnitt der zentralen Baulogistik in Betrieb zu nehmen. LKWs, die bereits heute die Baustelle zum Zwischenangriff Nord anfahren müssen weichen dabei immer öfter auf Anwohnerstrassen aus. Viele Anwohner würden sich schlicht nicht trauen sich über diese unzulässigen Lärm- und Verkehrbelästigungen zu wehren, so die Gruppe Nordlichter.

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Halbfertige Baulogistikstrassen – rechts im Bild die Unterkunft der Asylbewerber

So wurde beispielswiese einem Wohnheim für Asylbewerber, welches unmittelbar an die Tunnelbaustelle und Verladestelle angrenzt von Bahnvertretern vollmundig ein Lärmschutz versprochen. Zu sehen ist davon bis heute nichts, und das obwohl die Baustelle bereits in Betrieb ist. Wehren können sich diese  betroffenen Menschen praktisch überhaupt nicht, zumindest nicht ohne jursitischen Beistand.

Ein interessantes Detail zur Historie von Stuttgart 21 wurde von Dr. Jäkel zum Ende der Veranstaltung noch mal in Erinnerung gerufen: Laut der ursprünglichen Planungen der Bahn, wären eigentlich die zentrale Baulogistik sowie der Nesbenbachdüker die allerersten Baumaßnahmen bei diesem Milliardenprojekt gewesen. Den meisten Zuhörerninnen und Zuhörern wird vermutlich eine völlig andere, vorgezogene „Baumaßnmahme“ in Erinnung geblieben sein.

cams21 Aufzeichnung Zusammenschnitt der Begehung mit der Stadtteilgruppe Nordlichter im Nordbahnhofviertel 

Air/14.06.2014

kla/15.06.2014