Die Aktuelle Lage im Rosensteinpark

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Der „Status Quo“ im Rosensteinpark

Die längst bekannten Mehrkosten beim Immobilienprojekt Stuttgart 21 haben aktuell das Thema um das Fiasko beim Hauptstadtflughafen Berlin (BER) aus den Schlagzeilen verdrängt. Und das ist auch gut so, denn mit der Kostenfrage rücken nun auch Aspekte wie Haftung von verantwortlichen Vorständen sowie Aufsichtsratmitglieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Ein wenig abseits dieser politisch-aufgeheitzen Debatte, herrscht im Stuttgarter Rosensteinpark eine seltsame Stimmungslage. Irgendwo zwischen Gelassenheit und Ruhe vor dem Sturm. Im Spätsommer/Herbst 2012 ist der Rosensteinpark durch die bevorstehenden Baumaßnahmen zum Rosenstein-Autotunnel, aber vor allem durch das Immobilienprojekt Stuttgart 21 in den Fokus der Medien geraten. Der Zeitpunkt wurde nicht zufällig gewählt, sondern wurde vielmehr durch das Ende der Vegetationsperiode und dem Beginn von möglichen Baumfällungen vorgegeben. Der denkmalgeschützte Rosensteinpark in Stuttgart beherbergt das Staatliche Museum für Naturkunde am Löwentor und das Staatliche Museum für Naturkunde im Schloss Rosenstein. Mit seinen rund 100 Hektar zählt er zu den schönsten Grünanlagen der Landeshauptstadt. Zunächst war der Park nur mit heimischen und exotischen Laubbäumen bepflanzt, ab 1838 kamen mächtige Nadelhölzer wie der kalifornische Mammutbaum hinzu. Da der Park unter Denkmalschutz steht (Sowie auch der bereits gerodetet Schlossgarten) dürfen in diesen Park keine Veränderungen durchgeführt werden. Doch dies steht zwar auf Papier und auf den touristischen Internetseiten Stuttgarts, die Wahrheit ist eine andere. Für die anstehenden Tunnelarbeiten und die Verlegung der Wasserrohre für die geplante Grundwasserabsenkung für den Trogbau, müssen sehr viele alte Bäume gefällt werden, Buschwerk entfernt und große Flächen aufgegraben und zerstört werden.

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Thema Rosensteinpark auf cams21

Der Rosenstein – mehr als ein Park

Die Bahn hat vorerst auf die für diese vegetationsfreie Periode vorgesehen Baumfällungen im Rosensteinpark verzichtet, offiziell weil noch nicht notwendig, inoffiziell weil ihr offenbar die Genehmigung fehlt. Die Fällung von über 100 Großbäumen wurde somit vorerst auf Herbst 2013 zurückgestellt.

Viel Verwirrung, wenig Konkretes

Seit dem ist es etwas ruhiger um den Rosensteinpark geworden, nicht zuletzt weil die ungeklärte Kostenfrage ein größeres Medieninteresse generierte. Dennoch besteht um die Zukunft des Rosensteinparks viel Verwirrung und Konkretes weiss man nicht. Hierzu trug im Herbst 2012 auch die sog. Magplan-Baustelle bei. An 2 Stellen im Rosensteinpark wurde für das Magplanprojekt gebohrt. Die Bauzäune und Baugeräte, welche diese Maßnahme mit sich brachte, sorgten bis zur Aufklärung für Verunsicherung und auch Unmut. Als klar wurde, dass diese Bohrungen (zumindest offiziell) nichts mit S21 zu tun hatten, legete sich die Aufregung über diese Maßnahme wieder etwas.

Kurz darauf folgten weitere Arbeiten zum sogenannten Grundwassermanagement, die wiederum eindeutig dem Immobilienprojekt Stuttgart 21 zuzuordnen sind. Am und im historischen Rosenstein-Bahntunnel wurden Rohre verlegt, die dann ausserhalb auf der Wiese sichbar bis hin zum heutigen Tunnelportal verlegt wurden. Diese sollen später bis hin zum Neckar geführt werden, über die überschüssiges Grundwasser aus den Baugruben gepumpt werden soll. Auch diese Arbeiten sorgen bis heute für Verärgerung, da für diese Baumaßnahmen innerhalb des Rosensteinparks – also auf Gebiet, welches dem Land gehört – u.a. bereits kleinere Bäume und Gehölze gerodet wurden.

Auch die durch Bohrungen im Mittleren Schlossgarten bekannte Firma Terrasond war bereits im Rosensteinpark tätig. Diese unangekündigten Arbeiten fanden im Bereich der  Fuss- und Radwege zum Leidwesen von Joggern, Spaziergängern und Radfahrern statt.

Projekt ist endgültig im Rosensteinpark angekommen

Zuletzt wurden von der ebenfalls bekannten Firma Hölscher Rohrleitungen und Verteiler für das Grundwassermanagement auf der Böschung des Rosensteinparks entlang der Ehmannstrasse verlegt und aufgestellt. In einer nächtlichen Aktion wurden diverse Traversen und schwere Rohrträger aufgebaut und erste Rohre unmittelbar in den Park verlegt. Stuttgart 21 ist damit endgültig und für jederman sichtbar im besonders geschützten Landschaftsschutgebiet (FFH) – dem Rosensteinpark – angekommen.

Der sogenannte Gestattungsvertrag, der es der Bauherrin erlaubt Baumaßnahmen auf Landesgebiet durchzuführen, sorgt genau an dieser Stelle für viel Verwirrung. Vielfach taucht die Frage auf, ob solche Bau- und Rodungsmaßnahmen eine gültige Unterschrift des Finanzministeriums auf diesem Gestattunsgvetrag benötigen und in welchem Umfang Arbeiten am Grundwassermanagement als „Erkundungsbohrungen“  anzusehen sind (Ingo Rust, MdL, Staatssekretär SPD). An dieser Stelle gehen sogar Expertenmeinungen auseinander. Firmen wie Hölscher berufen sich auf die genehmigte 5. Planänderung. Kritiker hingegen bezweifeln diese Sichtweise, weil ja die 7. Planänderung bezüglich der erhöhten Grundwasserentnahme diese 5. Planänderung in Frage stellen kann. Mit einer Entscheidung in diesem Verfahren ist wegen über 10.000 Einsprüchen nicht so schnell zu rechnen. Sind diese Bauaktivitäten im Rosensteinpark also rechtens?

Auffällig bei diesen fragwürdigen Baumaßnahmen ist die deutlich gesteigerte Geschwindigkeit der Baumassnahmen. Was bisher Monate benötigte wird jetzt in einem für das Projekt ungewohntem Tempo vorangetrieben, als gelte es vor einem drohenden Baustopp soviel als möglich fertigzustellen.

Symbolpolitik oder was steckt dahinter?

Was steckt jedoch hinter dieser Strategie? Steckt dahinter vielmehr eine perfide Salamitaktik um ein funktionsfähiges „kleines“ Grundwassermanagement möglichst schnell in Betrieb nehmen zu können, womit man möglicherweise weitere Baugruben als Symbol der Unumkehrbarkeit öffnen könnte? Gerade der Abriss der Seitenflügel und die unnötige Rodung des Mittleren Schlossgarten haben deutlich gemacht, wie sehr die Projektbetreiber auf Symbole angwiesen sind. Symbole, die dem uninformierten Bürger eine „Unumkehrbarkeit“ des Projekts vermitteln sollen.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser einzigartige Park rund um das Schloss Rosenstein von dieser zerstörerischen Kraft und „Politik der verbrannten Erde“ verschont bleibt. Die Zeichen stehen derzeit gut, dass das Projekt an seiner Finanzierbarkeit scheitert. Zurück bleibt die Frage, wieviel Zerstörung bis dahin noch betrieben wird.

Aktuelle Lage und Stand der Baustellen

In der ersten Februarwoche wurden Nachts Arbeiten entlang der Ehmanstrasse durchgeführt. Hierzu wurde die Ehmannstrasse komplett für den Verkehr gesperrt, was auch eine Ausperrung von DHL Fahrzeugen zur Folge hatte. Mit einem schweren Autokran wurden zwei große Stahlbrücken, welche mit GWM-Rohren bestückt waren, auf Ständern innerhalb der Böschung des Rosensteinparks montiert. Die Witterung verzögerte allerdings die Arbeiten so  dass diese nur zur Hälfte fertiggestellt werden konnten. Windböen sowie der Zeitdruck (begrenztes Zeitfenster, wegen Beeinträchtigung des Packetzentrums) zwangen die Arbeiter gegen Mitternacht zum Abbruch der Arbeiten. Diese wurden dann in der Folgenacht fortgesetzt.  Mittlerweile sind die Rohre innerhalb des Parks verlegt und führen über die Rasenfläche, welche durch Zäune abgesperrt wurde, bis hin zum Bolzplatz am nördlichen Ende des Rosensteinparks. Dort laufen, wie schon mehrfach berichtet, die Vorbereitungsarbeiten für eine weitere GWM-Anlage.  Baugruben für die unterirdischen Kreuzungsbauwerke der Zulaufstrecken aus Bad-Cannstatt sowie Feuerbach machen diese zusätzliche Anlage notwendig. Wie es um die Genehmigung dieser Baumaßnahmen für das sogeannte Grundwassermanagement bestellt ist, bleibt weiterhin unklar (siehe auch Klage gegen SSB-Tunnel).

Links zum Thema

Fotos von Z Stuttgart

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07.02.2013/air/til