Die Bahn und ihre Zahlen

Ein Kommentar von
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Ich verstehe nicht nur nicht, wie die Bahn eigenmächtig den Lenkungskreis von S21 verschieben kann, sondern auch nicht, mit welcher Begründung die Bahn den Lenkungskreis überhaupt verschiebt. Vor Wochen hat die Bahn die Kostensteigerung veröffentlicht. Man sollte davon ausgehen, dass diese Kostensteigerungen auf einigermaßen umfangreichen Berechnungen beruhen, die in irgendeiner Form bei der Bahn aufbereitet vorliegen müssen. Dennoch schafft die Bahn es aber offensichtlich nicht, rechtzeitig zum Lenkungskreis entsprechende Zahlen vorzulegen. Dabei hatte sie Wochen Zeit. Das lässt vermuten, dass entweder die Planungen doch wieder nur sehr grob geschätzt und nicht fundiert sind, oder aber, dass die Bahn ihren Projektpartnern ganz besonders aufbereitete, man könnte auch sagen: geschönte Zahlen vorlegen möchte und viel Zeit benötigt, um wie üblich eine schöne Lügengeschichte in hübsche Powerpoint-Folien zu pinseln. Der Termin des Lenkungskreises steht zudem seit langem fest. Auch hier gibt es keinen Grund, zu diesem Termin nicht rechtzeitig vorbereitet zu sein.

Die Bahn begründet die Verschiebung des Lenkungskreises auch damit, dass man zuvor die Beschlüsse des Aufsichtsrats der Bahn abwarten wolle. Dieser solle darüber befinden, ob die Bahn selbst verschuldete Mehrkosten von 1,1 Mrd. Euro übernehmen solle. Der Aufsichtsrat tagt am 16. Januar. Der Lenkungskreis ist für den 21. Januar angesetzt. Zwischen beiden Terminen liegen ganze 5 Tage. Warum diese nicht ausreichen, die Beschlüsse des Aufsichtsrats in die Unterlage für den Lenkungskreis einzuarbeiten, ist auch nicht recht verständlich. Es gibt ja nun auch nicht so viele alternative Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung. Für diese Alternativen ließe sich entsprechend vorbereiten. Und letztlich ändert die Aufsichtsratssitzung überhaupt nichts an der Berechnung der Mehrkosten! Insgesamt also wieder einmal ein Vorgang, bei dem man nur den Kopf schütteln kann und sich wundert, wie das sein kann. In jedem normalen Unternehmen wären bei einem solchen Projektmanagement schon längst Köpfe gerollt.

Und schließlich: Dass Herr Schmiedel sich immer und immer wieder zu Wort meldet und heute der Landesregierung und dem OB nahelegt, der Bahn bei Übernahme der selbstverschuldeten 1,1 Mrd. Euro dankbar zu sein, lässt nur auf ein Stadium fortgeschrittener geistiger Umnachtung zu schließen.

Es bleibt dabei: Oben bleiben!