Irie Révoltés: „Wir tanzen sie einfach alle weg…“

 

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Ich hatte mir Arbeitsmäßig diesen Termin freigeschaufelt, d.h. Kollegen umgarnen und den Chef anbetteln. Dafür muss ich jetzt kommende Woche härter ran, aber was tut man nicht alles für Iries Révoltés, erst recht wenn sie quasi vor der Haustür spielen.Das Konzert im LKA war laut Veranstalter schon zwei Wochen vor dem 23.10. ausverkauft, ein Freitag, ideal zum feiern. Denn feiern wollte ich mit den Irie Révoltés. Mit 1500 gleichgesinnten, die einem wie 2000 vorkamen war dies bei der hervorragenden Akkustik-Anlage in der Halle trotz ausverkauften LKA-Longhorn in Stuttgart kein Problem. Laut eigenen Angaben will die Band durch ihre Musik auf soziale Missstände aufmerksam machen und gleichzeitig gute Energie verbreiten. Der Bandname ist hierbei Programm: „Irie“ stammt aus der jamaikanischen Kreolsprache [Iyaric] und bedeutet so viel wie „frei, glücklich, gut oder positiv“. „Révoltés“ steht im Französischen für Aufständige. Bei Projekten wie „Respekt, „Kein Bock auf Nazis“, „Viva con Agua“ oder „Kein Platz für Rassismus“ haben sie sich bereits engagiert.

Irie Révoltés: Das ist der Sound für die Revolte. Das ist der Sound für die Barrikaden. Kapuze auf und los. Der Moment, bevor es losgeht. Der Moment, in dem man spürt, dass man etwas erreichen kann. Hier. Jetzt. Zusammen. Für immer. Die Ruhe vor dem Sturm. Wenn Irie Révoltés die Bühne stürmen und das Publikum stampft, dann bebt die Erde. Wenn Tausende anfangen zu springen, wenn der Dampf über der Menge aufsteigt, wenn Münder die Strophen und Hooks mitsingen, wenn die Energie der Band sich mit der Energie der Masse vereinigt, dann entsteht das, was ein Irie Révoltés Konzert so unvergleichlich macht.
Ich persönlich kenne und liebe die Band ja „erst“ seit 19.05.2012 Irie Révoltés bei Blockupy Frankfurt (live ab 17:45 davor der beeindruckende [letzte nicht gestoppte] Demozug).

Kaum eine andere Band bringt den Zorn und die Verzweiflung einer ganzen Generation so sehr auf den Punkt. Kaum eine andere Band bringt die Lebenslust, die Freude und das Glück von Tausenden so gekonnt auf die Bühne wie Irie Révoltés. Da ist die Empörung über die Ungerechtigkeit der Welt, in der nur noch der Verwertungsgedanke zählt. Eine Welt, in der die Menschen danach sortiert werden, ob sie produktiv sind oder nicht. Da ist die Wut über einen Staat, der offenbar tatenlos zusah, wie die Mörderbande des NSU durch die Lande zog und Menschen umbrachte, die nicht in ihr Raster passten. Da ist die Abscheu vor den Bürgerinnen und Bürgern, die tatenlos, jubelnd danebenstehen, wenn Flüchtlingswohnheime brennen oder die wegschauen, wenn ein Mensch bei lebendigem Leib auf einer Polizeistation verbrennt. Da ist der Aufschrei, all dem etwas entgegenzusetzen. Ein Aufschrei, der nicht verbittert ist, nicht resigniert. „Nein, verbittert sind wir nicht“, betont Carlito, einer der beiden Frontmänner von Irie Révoltés und fügt hinzu: „Es geht nicht um Hass und Verbissenheit sondern vielmehr um Freude, Mut und Entschlossenheit. Es geht darum, dass wir gemeinsam etwas verändern wollen.“ Irie Révoltés wissen, dass die Welt wie sie ist, nicht so bleiben muss. Sie wissen, dass man gemeinsam etwas bewegen kann. Stück für Stück. Stein auf Stein. Jetzt. Seit nunmehr 15 Jahren gibt es das Bandkollektiv mittlerweile und noch immer wird bei den Bandbesprechungen heftig und ausdauernd diskutiert, was Mal Élevé, zweiter Frontmann der Band, so erklärt: „Es gibt keinen Boss, es gibt keine Führungsebene. Alle Mitglieder der Band haben dasselbe Stimmrecht.“ Das kann manchmal anstrengend sein, zumal die Musiker inzwischen über ganz Deutschland verteilt wohnen, stärkt dafür aber den Zusammenhalt und verleiht der Band die Power, ihre Message immer weiter zu verbreiten.

Dieses Gefühl gemeinsam etwas verändern zu können, nein die Gewissheit vermittelt die Band auch durch lokales Engagement, denn sie wissen wovon sie sprechen, hierzu ein Interview vom Dez. 2010 indem sie sich zu Stuttgart (Konzert im Universum 01.10.2010, konnte ich #ausgruenden nicht hin 👿  [30.09. schwarzer Donnerstag]) äussern:

„Carlito: In Stuttgart waren wir übrigens auch. Wir haben im Universum gespielt und waren davor noch auf der Demo. Zufällig waren wir genau an dem Tag dort, als die Polizisten dort die Schüler und alles zerlegt haben. Da war die Stimmung schon sehr aufgeheizt, was man dann auch nachvollziehen kann. Irgendwelche Schüler gehen da hin und die Polizei haut zwölfjährigen Mädchen einfach in die Fresse. Die Polizei ist leider immer geschützt durch den Staat, und wenn sich die Schüler gewehrt hätten, wäre das gleich wieder Widerstand gegen die Staatsgewalt.
Mal Élevé: Es war erstmals auch die bürgerliche Mitte sehr stark vertreten. Da waren ganz viele ’normale‘ Stuttgarter Bürger, die einfach total empört waren. Und diesmal hat das Konzept der Polizei einfach nicht funktioniert.“ Quelle: www.laut.de

Ich hoffe der „wackelige“ Zusammenschnitt (28 Min.) vermittelt ein wenig die „Live“ Energie die Irie Révoltés wirklich überträgt, viel Spass:

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25.10.2015/pet

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