Lesezeichen: Die Bürgerbewegung gegen S21 – Widerstand oder Zustand?

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Eine Lesenswerte Bestandsaufnahme über die Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21, geschrieben von Bananenbieger am 2013-06-27. Auch wenn nicht alle Fakten und Daten exakt und richtig sind, ist dieser Text ein sehr gutes Stimmungsbild über den aktuellen Zustand der Bewegung. Eine Klärung all dieser Punkte und Schaffung von Transparenz sollte im Interesse aller derer stehen die sich einen gesunden Fortbestand dieser Bewegung wünschen. Manchmal ist es nötig alte Zöpfe zu erkennen, diese neu zu knüpfen oder im Zweifel sogar abzuschneiden. Hier der ganze Text.

Original Seite und Quelle auf bananenbieger.blog.de

Auszug:

Vor über drei Jahren begann in Stuttgart der Straßenkampf, Verzeihung, der Bürgerprotest gegen das Stadtzerstörungsprojekt Stuttgart 21.

Einige empörte Bürger stellten sich vor den Nordausgang des Hauptbahnhofs. Ohne Aufforderung, ohne Genehmigung, einfach so. Andere erfuhren davon und schlossen sich an. Binnen kürzester Zeit schwollen die Montagsdemos zu einer beachtlichen Masse an.

Irgendwer stellte ein wackeliges Brett auf Holzkisten und Lautsprecher dazu, ab da gab es eine Bühne. Auf Zettelchen wurden die Termine angekündigt und daß die Demonstrationen nun „angemeldet“ seien. (Komisch, in der DDR mußten die Montagsdemos nicht angemeldet werden, dabei galt diese doch als Unrechtsstaat.)

Ich fand die Mischung faszinierend, die unsere Bewegung groß und schlagkräftig gemacht hat:

Es gab Montagsdemos und Großdemos, Klangschalen-Qi-Gong, Anketttrainings und Parkgebete, Bahnhofsbegehungen und spontane Demozüge durch die Stadt, Sitzblockaden alltäglich oder zu besonderen Anlässen wie die Baggernacht, die riesige Wandzeitung Bauzaun Nordflügel, Straßenblockaden zum Abrißbeginn, Frühstücksblockaden, Bauzaunbesichtigungen, medien- (und real!) wirksame symbolträchtige Aktionen wie Nordflügel- und Baggerbesetzungen. Man schlug sich Nächte unter den Baumhäusern im Park oder am Nord- und Südflügel um die Ohren. Betrachtete Autobahn-Webcams und fuhr durchs Stadtgebiet auf der Suche nach Polizeiansammlungen und Baufahrzeugen.

Das brachte uns Leute an den Bahnhof, in den Park und damit in die Bewegung, die sonst nie zu „sowas“ gekommen wären. Und sie alle hatten die Chance, ihr Plätzchen zu suchen und zu finden

Das alles hatte 2010 seinen Höhepunkt erreicht. Seither ist viel geschehen, eines jedoch nie: Eine ernsthafte Diskussion über den Zustand und die Zukunft unserer Bürgerbewegung.

Wir haben keinen gemeinsamen Überbau, keinen gemeinsamen Treffpunkt. Einzige Eckpfeiler – für uns selbst, aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung – sind die Montagsdemo und die Mahnwache.

Trotz Internet, SMS und Email: Wir nutzen als Bewegung de facto keinerlei moderne Medien. Wackersdorf und Wyhl waren ohne Internet moderner organisiert und mit Telefonketten zuverlässiger erreichbar als wir. Infos waren damals schneller mit maschinengetippter Matrize hektografiert als bei uns. Willkürliches Beispiel zum Rosensteinpark am Anfang des Jahres: Auf der Montagsdemo wurden anstehende Rodungen verschwiegen. Im Parkschützerforum wurde eines Abends „beschlossen“, daß „die beiden Baumfällungen“ im Rosensteinpark „nichts mit S21 zu tun“ gehabt hätten, während durch Twitter Fotos von 100 m gerodeter Hecke gingen und an dem Tag tatsächlich in großem Ausmaß Büsche und Bäume im Park für Hölschers blaue Rohre gefällt worden waren. Erfahren hat das außer ein paar wenigen, die vor Ort waren, niemand, nicht aus der Bewegung und schon gar nicht die Öffentlichkeit.

Es fehlt ein zentrales Informationsmedium über das Geschehen in der Bewegung. Parkschuetzer.de war niemals zitierfähig, selbst wenn die Presse gewollt hätte, und man klammerte sich mit Zähnen und Klauen bewußt an ein technisch untaugliches Konzept. Fertige funktionierende Lösungen wurden aktiv verhindert. Kopfbahnhof-21.de ist eine weitgehend statische Seite der Parteien und Verbände ohne Nutzwert für die Bewegung. Bei-Abriss-Aufstand.de ist die Privatseite einer kleinen Bezugsgruppe namens APS….

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