Neue Hausbesetzung nach Mieterdemonstration in Stuttgart

 

Am Samstag den 09.März rief das Aktionsbündnis Recht auf Wohnen zu einer Kundgebung in Stuttgart, in die Forststraße 168. Diesem Aufruf folgten dann auch etwa 150 interessierte Teilnehmer aus unterschiedlichsten Menschen. Dort hat die Schwäbische BauWerk GmbH  im Frühjahr 2018 das Haus mit acht Parteien von der Privatbesitzerin gekauft. Die frühere Besitzerin versprach den langjährigen Bewohnern „natürlich könnt Ihr weiter hier wohnen“. Denn der neue Eigentümer wirbt ja mit Tradition und sozialem Engagement. Im November 2018 jedoch kam die befürchtete Nachricht: Die neuen Vermieter kündigten ihren Mietern schriftlich umfangreiche Modernierungsmaßnahmen an. Eine Liste mit zwei Dutzend Punkten von geplanten Projekten. Darunter sind Sachen wie eine sparsamere Toilettenspülung, ein Außenaufzug und zahlreiche Schutzmaßnahmen gegen Einbruch. Zudem habe die Firma darauf hingewiesen, dass während den Bauarbeiten die Wohnungen wohl kaum bewohnbar seien.
Ach ja, die Zahlen:
Die Krankenschwester Tanja K. zog vor 14 Jahren in die 66 Quadratmeter für 360 Euro ein. Ihre heutige Miete liegt bei 488,30 nach der „Modernisierung“ soll ihre Miete 1155,24 Euro betragen. Eine Steigerung von 136 Prozent.

Diese mittlerweile übliche Vorgehensweise, natürlich im Rahmen der Gesetzgebung, führt zu den folgenden entsprechenden Redebeiträgen bei der Kundgebung (in zeitlicher Reihenfolge):

Joe Bauer (sarkastisch, melancholischer [besser: kämpferischer] Spaziergänger)

Tom Adler (Stadtrat, SÖS LINKE PluS & Recht auf Wohnen)

Tanja K. (Krankenschwester, Mieterin der Forststr. 168 und Betroffene der 136% Mieterhöhung/Verdrängung)

Robert (Gesundheits- und Intensivpfleger beim KH Stuttgart, zukünftig Verdrängter?)

Nach der Kundgebung formierte sich dann ein lautstarker Demonstrationszug. Dieser zog die Forststraße Stadteinwärts:

Der Aufzug endete dann Schlag zwölf (high noon) in der Forststraße 140 wie folgt:

Das gerüchteweise, seit zwei Jahren leer stehende Haus, mit ehemals ca. zwölf Wohneinheiten der Forststraße 140 wurde umgewidmet, sprich: es war nicht mehr leer. Banner, Plakate wurden aufgehängt um die Nachbarschaft und Passanten auf den ‚ehemaligen‘ Leerstand aufmerksam zu machen. „Das Haus in der Forststraße 140 steht bereits seit etlichen Jahren leer, dies haben uns mehrere Nachbarn bestätigt. Wie lange genau, wissen wir nicht. Der Zustand der Wohnungen lässt vermuten, dass die schönen Altbauwohnungen möglicherweise bereits seit über 10 Jahren leerstehen. Die Wohnungen sind größtenteils renovierungsbedürftig, so sind teilweise Böden herausgerissen, ein neuer Anstrich wäre ebenfalls nötig. Alles in allem aber kein unmachbarer Aufwand. Vielleicht könnten potentielle neue BewohnerInnen das sogar selbst erledigen.

Fakt ist: Häuser verfallen langsam aber sicher, wenn sie nicht bewohnt werden. Es wäre eine Schande, wenn auch dieses Haus dieses Schicksal ereilen würde.

Wer Eigentümer ist, konnten wir noch nicht herausfinden. Es ist auch egal. Dieses Haus wird nun wieder belebt. Alles andere wäre Wahnsinn!“ Original übernommen von #LeerstandBeleben wo es weiterführende Informationen und aktuelle Ankündigungen gibt.

 

„Mieten runter, sonst gibt’s Zunder“  😈 

 

Übrigens 🙂 :  „Die Hausbesetzer sind wieder da“  (Krautreporter vom 11.Juni 2018)

 

Weitere Quellen:

StZ vom 07.März mit Kundgebungshinweis

KontextWochenzeitung vom 06.März

 

10.03.19/pet

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