Stuttgart 21: Lange Umwege durch Sperrung Nordausgang – Ältere haben das Nachsehen

Stuttgart, 02.05.2012

Wegen der geplanten Errichtung eines unterirdischen Technikgebäudes zu S21 wurde heute der einzige barrierefreie Zugang zum Stuttgarter Hauptbahnhof für mindestens 1 ½ Jahre gesperrt. Für Reisende bedeutet diese Sperrung lange Umwege. Besonders für gehbehinderte Menschen wird der nun fünffach längere Weg (vom HBF in Richtung Innenstadt) äußerst beschwerlich.

Schon im Vorfeld zum weiterhin nicht geklärten Baubeginn des Großprojekts zeigt sich ein weiteres Mal die unzeitgemäße Planung von S21. Anstatt barrierefreiem Vorgehen geschieht genau das Gegenteil. Der wachsende Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft bleibt von S21 unberücksichtigt, Behinderte ebenso.

Daher trafen sich heute zahlreiche Projektgegner am Nordausgang des Stuttgarter Hauptbahnhofs. cams 21 war ebenfalls live dabei.

Update 17:50:

Inzwischen wurde der Nordausgang geschlossen und der Behelfsausgang ist in Betrieb: (Foto: Twitter @HammerX)

Presseerklärung: Der Weg zum Zug ist jetzt 5 mal so lang!
Publiziert am 2. Mai 2012 von Matthias von Herrmann

Behinderte und Senioren protestieren gegen die Sperrung des Nordausgangs

Stuttgart, 2. Mai 2012: Zahlreiche Behinderte und Senioren haben heute Vormittag um 11 Uhr gegen die Sperrung des Nordausgangs am Stuttgarter Hauptbahnhof protestiert. Auf Transparenten forderten sie die Bahn auf, endlich bessere Lösungen für Behinderte und Mobilitätseingeschränkte bereitzustellen.

Im Zuge der Baumaßnahmen für Stuttgart 21 wird ab 2.5.2012 der Nordeingang des Stuttgarter Hauptbahnhofs für mindestens 1 ½ Jahre, wahrscheinlich erheblich länger, gesperrt. Dies ist der einzige barrierefreie Zugang zum Bahnhof. Der von der Bahn AG eingerichtete Umweg mit einer Länge von ca. 350 m ist fünf mal so lang wie der ursprüngliche Zugangsweg und befindet sich größtenteils ungeschützt im Freien – die Benutzer sind Regen, Wind, Schnee und Eis ausgesetzt. Zudem befindet er sich in unmittelbarer Nähe zur schmutzigen und lauten Baustelle und ist durch die Richtungsänderungen und dichtes Gedränge zu Stoßzeiten sehr unübersichtlich.

Hauptleidtragende des neuen, langen Parcours sind Behinderte und Senioren sowie andere Mobilitätseingeschränkte. Auch Familien mit Kinderwagen sowie Sichtbehinderte mit Orientierungsschwierigkeiten und Personen mit schwerem Gepäck sind benachteiligt.

Attila Medgyesi von der „Initiative barrierefrei“ meint dazu: „Es ist eine Schande, dass die Schwächsten der Gesellschaft – Behinderte, Senioren und Familien mit Kindern – für den neuen ‚Luxusbahnhof’ auf Um- und Irrwege geschickt werden. Und das ist erst der Anfang vom Anfang: Der neue Tunnelbahnhof ist für den schwachen Teil der Gesellschaft eine Katastrophe – nicht barrierefrei und durch Fluchtwege bei Bränden eine Falle.“

Hinzu kommt das Gedränge zu Stoßzeiten und der starke Verkehr auf dem Abschnitt entlang dem Parkplatz, weil für PKW nur noch der eine, zusätzlich verengte Schlauch am Ex-Nordausgang zur Verfügung steht.

„Es wird Zeit“, so Attila Medgyesi, „dass die DB in einer älter werdenden Gesellschaft auf die Belange Benachteiligter Rücksicht nimmt, die ja in besonderem Maße auf die Bahn angewiesen sind.“

via Presseerklärung: Der Weg zum Zug ist jetzt 5 mal so lang! | Bei Abriss Aufstand.