Unterirdische Baumaßnahmen zu S21: Türlenstraße runter, Staatsgalerie hoch

 

Um den Tunnels für das Immobilien-Projekt Stuttgart21 den Weg frei zu machen, muss der Stadtbahntunnel zwischen Hauptbahnhof und Türlenstraße verschoben und tiefer gelegt werden. Die Haltestelle Staatsgalerie hingegen wird versetzt und angehoben[1].

Dieses Bauvorhaben sollen ca. 200 Millionen Euro kosten was dem Öffentlichen-Personen-Nahverkehr rein gar nichts bringen. Das Schienennetz wird sich durch diese Investition in keinster Weise verbessern. Es geht bei dieser Maßnahme lediglich um einen eigentlich unnötigen Umbau, wäre da nicht Stuttgart21…

Geplante Stuttgart21-Maßnahme: Türlenstraße

Um den 680 Meter langen Stadtbahn-Tunnel unter der Heilbronnerstraße  zu errichten, buddeln sich die Bagger vom Halt Türlenstraße aus in Richtung Kriegsberg. Später bildet die Decke der neuen Stadtbahnröhren den Boden für die S21-Tunnel-Trasse kommend aus Stuttgart-Nord.

Die Tunnelröhren werden, um S21 nicht im Weg zu sein, in 23 Meter Tiefe in den Kriegsberg gedrückt.

Da beim Bau der Röhren Wasser anfallen kann, muss die Bahn AG zu diesem Zeitpunkt ihre GrundwasserAufbereitungs-Anlage im ehemaligen Mittleren Schlossgarten in Betrieb haben. Das anfallende Wasser muss laut Baugenehmigung gereinigt werden und über Versickerungsbrunnen wieder ins Grundwasser zurück fließen[2]. Das bedeutet also bevor das GWM nicht läuft, kann hier überhaupt nicht begonnen werden. 

Betroffen von dieser Maßnahme sind die täglich mehr als 50 000 Fahrgäste der Stadtbahnlinien U 5, U 6, U 7, U 12, U 15.

 

Geplante Stuttgart21-Maßnahme: Staatsgalerie

An der Willy-Brandt-Straße wird der Stadtbahntunnel verlegt und die Haltestelle Staatsgalerie zum Planetarium hin verschoben. Tunnel und Haltestelle müssen höher gelegt werden, damit die S21-Tunnelröhre darunter durch passt. (um nicht noch mehr Gefälle als sowieso schon jetzt auf den Bahnsteigen des Tunnelbahnhofs zu bekommen.)

Die Strecke zwischen dem Gebhard-Müller-Platz und dem neuen Innenministerium ist ebenfalls rund 600 Meter lang.

Sechs Linien, U 1, U 2, U 4, U 9, U 11 und U 14, fahren über die  Haltestelle Staatsgalerie und sind direkt vom Umbau betroffen.

 http://www.vvs.de/download/Stadtbahn_Liniennetz.pdf

Dass die Haltestelle Staatsgalerie Verzweigungspunkt in Richtung Charlottenplatz und Hauptbahnhof ist, macht das Vorhaben nicht einfacher.

Mittlerweile räumt die SSB eine 14-tägige Betriebsunterbrechung ein. Das sei aber „nur eine politische Zahl“, Untersuchungen gebe es keine, sagt SSB-Projektleiter W. Reichle. Um diese Vorgabe zu erfüllen, müsste nicht nur ein 30 Meter langer Tunnel als Anschlussstück in jenen 14 Tagen gegraben werden, auch die Gleise und Leitungen müssten in diesem Zeitraum verlegt sein.“[3]

Der Bau unter Betrieb „stellt alle unsere bisherigen Projekte in den Schatten“, sagt Ulrich Deinhardt, der bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) für die technische Infrastruktur verantwortlich zeichnet. Der Anschluss der neuen Tunnelröhren an die Gleise in der Klett-Passage am Hauptbahnhof sei „ganz schwierig“[4].

 

Stuttgart21-Maßnahmen bringen Verschlechterungen

Da mit der Freimachung des Gleisvorfelds frühestens in 15 Jahren gerechnet werden kann, fährt die SSB bis dahin nur mit einer (der U12) statt zwei Stadtbahnlinien im Nordbahnhofviertel. Die U15 wird bis dahin direkt zwischen dem Pragsattel und dem Hauptbahnhof verkehren und das Nordbahnhofviertel nicht mehr anfahren.

Hier die geplante Streckenführung der U12 für die über 200 Bäume gefällt wurden:

http://www.stuttgart.de/item/show/356915

Besucher des Pragfriedhofs können noch bis 2015 auf die U12 umsteigen, danach wird die Haltestelle Friedhofsstraße gar nicht mehr bedient. Die U12 wird direkt zwischen dem Budapester Platz (Nähe Bibliothek21) und dem Nordbahnhofviertel verkehren.

Für Friedhofsbesucher bedeutet das, dass sie künftig mit der U15/ U6/ U7 maximal bis zum Eckhartshaldenweg oder mit der U12 zum Milchhof fahren können. Die längeren Fußwege sind eine Verschlechterung, und gerade für ältere Menschen nicht hinnehmbar!  

Dass die U12 ab 2013 den Hallschlag erschließt, bedeutet zugleich, dass nur noch die U5 die Haltestelle Killesberg anfährt, was man durchaus als Ausdünnung des Stadtbahnverkehrs verstehen darf[5].

 

Auswirkungen auf den Autoverkehr

Dass diese Baumaßnahmen auch Auswirkungen auf den ohnehin zähflüssigen Autoverkehr in Stuttgart haben werden, sollte allen klar sein.

 

Auswirkungen der S21-Baumaßnahme Türlenstraße/Heilbronnerstraße

Für den Tunnelbau in der Heilbronner Straße müssen große Gruben am Geno-Haus (Heilbronnerstraße) und mitten auf der Kreuzung der Heilbronnerstraße mit der Friedrichstraße (Kurt-Georg-Kiesinger-Platz) geöffnet werden.

Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht damit zu rechnen, dass die Baulogistikstraßen der Bahn AG bereits fertiggestellt sind. Da für die LKW solange das Nutzen von öffentlichen Straßen ausdrücklich erlaubt ist, kann es auf Stuttgarts Pendler-Hauptachse heiter werden.

Die stadtauswärts führenden Fahrspuren Richtung Pragsattel werden für drei Jahre in Richtung Bahnhofsparkplatz verschwenkt.

 

Auswirkungen der S21-Baumaßnahme Staatsgalerie

Während der ca 4 ½  Jahre langen Bauzeit wird die B14 öfters hin- und her verlegt[6]. Der neu gebaute Ministeriums-Riegel lässt aber nur eingeschränkte Möglichkeiten zu. Deshalb schiebt man die Fahrspuren auf den Parkplatz des Hotels Le Meridien, das bereits darunter zu leiden hat, dass es seine Parknähe verlor.

Die Fahrspuren der B14 sollen zwar bleiben, werden aber verengt.

Zwischen Neckartor und Gebhard-Müller-Platz entlang der Willy-Brandt-Straße wo sich täglich an die 100.000 Fahrzeuge durchschieben, muss die komplette Straße aufgerissen werden. Die Baugrube unter der Straße wird mit Stahlplatten überdeckt, damit der Verkehr weiter rollen kann.

Direkt vor dem Ministeriumsneubau wird für den Umbau des City-Rings eine weitere Grube geöffnet. Die Schillerstraße muss ebenfalls aufgegraben und überdeckelt werden, weil die Tunnelröhren direkt darunter verlaufen[7].

Dass alle Baugruben innerhalb eines halben Jahres eingerichtet werden müssen, also fast zeitgleich, lässt den verkehrsgeplagten Stuttgarter bereits Böses ahnen.