Update: Bürgerversammlung zu Bahnlärm in Assmannshausen am 10.12.2012

Rüdesheim, 08.12.2012

Assmannshausen sieht Rot – INITIATIVE Gastronomen laden zu Versammlung

(bad). Das Planfeststellungsverfahren für Neu- und Umbauten an der Bahnstrecke ruft immer neue Protestformen hervor. In Assmannshausen haben sich alle Gastronomen zu einer lockeren Bürgerinitiative zusammengeschlossen, erläutert Norbert Kesseler vom Hotel Lamm. Unter dem Motto „Assmannshaussen sieht rot“, wollen sie die Assmannshäuser aufrütteln, alles zu tun, um die geplanten Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Elektronischen Stellwerk zu verhindern. Denn die Auswirkungen, so Kesseler, seien klar. Der Lärmpegel werde sich verdoppeln, die Erschütterungen verdreifachen. Was dies für Folgeschäden für die Gesundheit, die Gebäude und die Gemeinde habe, will die Bürgerinitiative am Montag, 10. Dezember, um 19 Uhr bei einer Bürgerversammlung im neuen Vereinshaus erläutern.

„Noch keine Zehn“, vermutet Kesseler, „haben in die Planfeststellungsunterlagen geguckt.“ Im Interesse aller sei es jedoch, dass möglichst viele Einwendungen gegen die Vorhaben der Bahn einlegen. Kesseler hofft, dass der Bürgerinitiative am Montag weitere Bahngeschädigte beitreten, denn ein Club der Gastronomen soll es auf keinen Fall bleiben. Die Zeit drängt, bis zum 19. Dezember müssen die Einwendungen eingereicht sein. Bei der Formulierung soll ein Anwalt helfen, den die Bürgerinitiative engagieren will.

Quelle:http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/rheingau/ruedesheim/12660576.htm

Hier die Planungsunterlagen zur neuen Eisenbahnüberführung anstelle eines Bahnübergangs mit Fussgängerunterführung:

http://www.rp-darmstadt.hessen.de/irj/RPDA_Internet?cid=749ae150f5d703ae044ebf53055f1367

Veranstaltungsnachlese vom 13.12. 2012 via RheingauCenter Nachrichten:

Assmannshausen zeigt die rote Karte

Kein Tourist kommt in einen Ort, der durch Bahnlärm verschrien ist.

Informierten zu den Bauvorhaben der Deutschen Bahn in Assmannshausen und im Rheingau: Hans Wolfgang Eulberg, Birgit Berg, Norbert Kesseler und Erster Stadtrat Wolfgang Weinem (v.l.).

Assmannshausen. (rf) – Rund 100 Bürgerinnen und Bürger haben ihre Stimme gegen die geplanten Bahnvorhaben in Assmannshausen erhoben und werden im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens beim Regierungspräsidium Darmstadt mit ihrem Einspruch vorstellig. Es hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die mit deutlichen Worten der Deutschen Bahn die rote Karte zeigt. Unter dem Motto „Assmannshausen sieht rot“ verschafften sich die Bürger in einer Versammlung Luft und sprachen sich für die Beauftragung eines Fachanwaltes aus, der ihre Interessen vertreten soll.

Die Initiative war von den örtlichen Gastronomen ausgegangen, die ohnehin deutliche Verluste bei den Gästezahlen wegen der Baumaßnahmen an der B 42 verkraften müssen. Sie können nun auf eine breite Unterstützung bauen.

Der Hotelier Norbert Kesseler sprach zu Beginn der Bürgerversammlung zu den geplanten Bauvorhaben innerhalb des engen Ortskernes. Hier soll die Unterführung Niederwaldstraße verschüttet und durch einen Neubau direkt neben dem Bahnübergang Niederwaldstraße ersetzt werden. Die Arbeiten sollen parallel laufen. Gleichzeitig werden die Weichen im Zuge des Ausbaus Elektronisches Stellwerk zwischen Wiesbaden und Niederlahnstein verschwinden. Kesseler bezieht sich dabei auf den gesamten Streckenausbau der Gütertrasse Rotterdam-Genua, dies bedeute mehr Züge und mehr Lärm in Assmannshausen und im gesamten Mittelrheintal. Wolfgang Eulberg (SPD) sprach in seinen Ausführungen zum geplanten Neubau der Fußgängerunterführung von nicht unerheblichen Eingriffen in den innerörtlichen Straßenverkehr. Hier werde es zu langfristigen einseitigen Straßensperrungen in der Niederwaldstraße und Am alten Bahnhof kommen. Darunter würde nicht nur der Tourismus, der in Assmannshausen ein bedeutender Wirtschaftszweig darstellt, leiden. Rettungsfahrzeuge würden im Falle eines Einsatzes behindert oder könnten den Einsatzort erst gar nicht mehr erreichen, ein Argument, dem Jürgen Schmalfeld vom DRK Rüdesheim zustimmte. Die Versorgung der Gastronomiebetriebe und Entsorgung durch die Müllabfuhr werden auf den Kopf gestellt. Zehn Monate Bauzeit werden von der Deutschen Bahn angegeben, was jedoch keiner so richtig glauben mag. Eulberg sprach sich deshalb für die Sanierung der jetzigen Fußgängerunterführung und den Abbau der Weichen im Netz des Bereichs der Ortsdurchfahrt aus. Schnelle und schwerere Züge verursachen Lärm und schaden der Gesundheit der Menschen. Außerdem habe die Bahn vor, die neue Fußgängerunterführung noch nicht einmal barrierefrei zu bauen.

Auch Hotelier Birgit Berg (zweite Vorsitzende der Wirtschafts- und Tourismusförderung Rüdesheim und Assmannshausen e.V.) kann vom rückläufigen Tourismus in Assmannshausen ein Lied singen. „Wer macht schon Urlaub in einem Ort, der von der Bahn gehetzt wird“, sagte sie. „Ein Leben mit dem Presslufthammer“ bringe den Ort an den Ruin. „Kein Tourist kommt in einen Ort, der durch Bahnlärm verschrien ist“, so Birgit Berg, dies habe wirtschaftliche Folgen: Rückläufige Gastronomie, Werteverlust der Immobilien, leerstehende Wohnungen, Gefährdung der ortsansässigen Betriebe, rückläufige Steuereinnahmen für eine ohnehin schon defizitäre Rüdesheimer Stadtkasse.

Die Interessen der Assmannshäuser, die auch von außerhalb Sympathie erfahren, werden durch den Fachanwalt Professor Dr. Lutz Eiding vertreten. Der Honorarprofessor für Öffentliches Baurecht an der Hochschule Darmstadt und Fachbuch-Autor ist bekannt und wird geschätzt. Auch auf den Gebieten des Öffentlichen Baurechts, des Luftverkehrsrechts und des Kommunalrechts besitzt Prof. Dr. Eiding (Hanau) überregionales Renommee. Bundesweit wurde er bekannt als erfolgreicher Vertreter von durch Flughafenausbauten betroffenen Unternehmen, Kommunen und Bürgerinitiativen, etwa im Bereich der Flughäfen Frankfurt/Main, Berlin, Leipzig, München, Salzburg und Kassel. Überdies setzte er im Rhein-Main-Gebiet und an anderer Stelle die Genehmigung umstrittener technischer Großanlagen für deren Betreiber durch.

Der Erste Stadtrat Wolfgang Weinem hatte insbesondere auf die Möglichkeit privater Einwände aller Bürgerinnen und Bürger gedrängt und erhielt hier die Unterstützung durch Wolfgang Schneider von der Bürgerinitiative im Mittelrhein gegen Umweltschäden durch die Bahn, die auf ihrer Internetseite auf einen geeigneten Vordruck verweist. Jeder einzelne Einwand gegen das Planfeststellungsverfahren sei von Bedeutung, sagte Weinem. Denn es sei noch lange nicht ersichtlich, dass die geplanten Neubaumaßnahmen kostengünstiger sind als die Sanierung der bisherigen Anlagen.

Was wenn?

Was ist, wenn es doch zur Baumaßnahme kommen wird? Ortsvorsteher Helmut Petry äußerte sich dahingehend, dass man in Assmannshausen auch weiterhin mit der Bahn leben müsse. „Aber wir dürfen uns nicht alles gefallen lassen“, erwiderte Birgit Berg. Wird gebaut, dann hagelt es Forderungen: Modernste Technik, zwei Aufzüge für behinderte Menschen in der Fußgängerunterführung, mehrere Bauabschnitte zur Verwirklichung des Bauvorhabens, um dem Tourismus nicht zu schaden, ein beschränkter Bauraum, Ersatz für die wegfallenden Parkflächen Am alten Bahnhof, was der Stadt einen jährlichen Verlust von rund 10.000 Euro einfährt, Schallschluckende Bahnkörper im gesamten Ortsbereich und generelle Geschwindigkeitsreduzierung zur Vermeidung des Bahnlärms und für den Erhalt der Gesundheit aller Bürgerinnen und Bürger sowie deren Gäste. Dies werden mit Sicherheit nicht die einzigen Forderungen bleiben.

Quelle: http://rheingaucenter.de/center/html/news/5012assi.htm

red/joe