25.11.2014 Aktivisten unerwünscht?

Am Feldherrenhügel warten Aktivisten auf die angekündigte Pressekonferenz

Am Feldherrenhügel warten Aktivisten auf die angekündigte Pressekonferenz

Am vergangenen Freitag lud der Pressesprecher der Aktiven Parkschützer, Matthias von Herrmann, zur Pressekonferenz zum Thema „Einstellung des Wasserwerferprozesses“ am Feldherrenhügel ein. Neben den Redaktionen der Kontext Wochenzeitung und des SWR erhielt auch cams21 eine Einladung zu dieser Pressekonferenz. Da die Einladung vom Pressesprecher ohne Sperrvermerk, also ohne Datum, ab der eine Veröffentlichung erwünscht ist, versehen war, wurde der Termin auf den Seiten der Kontext Wochenzeitung veröffentlicht.

Am Samstag verschickte der Pressesprecher erneut eine Information an die Presse, in der er mitteilte, dass die Pressekonferenz nicht wie angekündigt am Feldherrenhügel, sondern am Landgericht in der Olgastraße stattfinden würde. In dieser E-Mail war nun ein Sperrvermerk bis Sonntag Mittag enthalten. Die cams21 Redaktion erhielt die E-Mail mit der Ortsänderung leider nicht.

Da der Termin am Feldherrenhügel bereits in der Kontext Wochenzeitung veröffentlicht war (in der ersten Einladung gab es keine Sperrfrist), fanden sich neben den zwei Mitgliedern von cams21 etwa 100 weitere aktive Stuttgart 21-Gegner am Feldherrenhügel ein. Sie warteten darauf, Näheres über die Einstellung des Wasserwerferprozesses und über die Reaktionen des Aktionsbündnisses oder der Aktiven Parkschützer zu erfahren. Währenddessen fand die eigentliche Pressekonferenz am Landgericht statt.

Natürlich kann es versehentlich passieren, dass kurzfristige Ortswechsel nicht jedem und so auch cams21 nicht mitgeteilt werden. Man sollte nicht gleich böse Absicht unterstellen. Doch das Versetzen der Aktivisten führte dazu, dass Spekulationen darüber ins Kraut schossen, warum einige von der Ortsverlegung erfahren haben und andere nicht.

Reaktionen darauf sind im Forum der Stuttgart 21-Gegner zu lesen. Im  Parkschützer-Forum schreibt eine »Anouk«  zu diesem Vorfall: »Man wollte vermutlich verhindern, dass unter Umständen S21-Gegner auftauchen, die bei diesem hochemotionalen Thema vor der überregionalen Presse ›Radau‹ machen. Ich schätze mal, dass auch genau aus diesem Grund cams21 nicht informiert wurde.« Ob »Anouk« tatsächlich mehr als andere wußte, ist letztlich unerheblich. Matthias von Herrmann selbst hat sich zu diesem Vorfall bisher nicht geäußert. Zahlreiche Aktive, die am Feldherrenhügel gewartet haben, äußersten, sie hätten durch diesen Vorfall und die Spekulationen über die Gründe das Gefühl, unerwünschtes Beiwerk oder Aktivisten zweiter Klasse zu sein.

Unabhängig davon, ob die Äußerung vom User »Anouk« stimmt, bringt ein anderer Forumsnutzer »Bernd-Christoph Kämper« die entstandene Situation sehr gut auf den Punkt: »1. Das war eine Pressekonferenz der Opferanwälte, nicht eine solche des Gerichts. Es war überhaupt nicht davon auszugehen, dass die Bewegung den Opferanwälten nicht mit Achtung begegnet und dass sie nicht gebannt zuhören, um alles mitzubekommen, was da gesagt wird. Ich wüsste auch nicht, warum die Presse hätte beschimpft werden sollen. Das sind alles haltlose Unterstellungen, das ist eine Misstrauenserklärung an die Bewegung. 2. Matthias von Herrmann hat damit verhindert, dass diese für die ganze Bewegung und die weitere Aufklärung des 30.9. enorm wichtige Pressekonferenz von cams21 gestreamt bzw. aufgezeichnet werden konnte und damit nicht in einer Weise dokumentiert ist, wie es dem Anlass entsprochen hätte. Wir haben jetzt lediglich die kurzen Presseberichte und den SWR-Clip. Das ist ein Schuss ins eigene Knie und zugleich ein Affront sondergleichen an unsere freien Medien.«

cams21 geht es darum, die Öffentlichkeit möglichst direkt und umfassend zu informieren. Dies war bei dieser Pressekonferenz nicht möglich. Die Stuttgart 21-Kritiker, die zu der Pressekonferenz gekommen sind, weil sie sich für den Fortgang des Wasserwerferprozesses interessieren, haben sich unerwünscht und ausgeladen gefühlt. Dabei handelt es sich bei diesen Kritikern genau um den aktiven Teil der Bürgerbewegung, der regelmäßig demonstriert, Leserbriefe schreibt und auch Unterschriften für die Bürgerbegehren, die von Matthias von Herrmann selbst mit angestoßen wurden, sammelt, Menschen also, denen das Aktionsbündnis und die Aktiven Parkschützer für ihr Engagement dankbar sein muss und deren Rückzug der Bürgerbewegung sehr schaden würde. Dass ausgerechnet der »Pressesprecher der Parkschützer«, der maßgeblich die Strategie der Bürgerbewegung mit bestimmt, der Auslöser einer solchen für die Bürgerbewegung schädlichen Situation ist, wirft Fragen auf. Es läge an ihm, der alle Möglichkeiten der internen Kommunikation in der Hand hält, den Aktivisten zu erklären, wie es zu dieser Situation kommen konnte.

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