Spiegel-Interview mit Cem Özdemir – ein Kommentar

Um was es geht: „Grünen-Chef Cem Özdemir über die Landtagswahl in Niedersachsen und S21“ (PDF des Originals)

Tja, die lieben Grünen mal wieder – lange Jahre gelernte Oppositionsarbeit blüht eben immer wieder gleich, aber wird sie Früchte tragen? Schon immer war es politischer Sport auf fahrende Züge aufzuspringen. Das merkte ich kurz nach dem Deutschlandweit zu trauriger Bekanntheit gewordenen Schwarzen Donnerstag! Da hüpfte plötzlich so manches bundesweit bekannte Gesicht auf den Demos herum und versuchte mit allen Mitteln in die Kameras und auf Bilder zu gelangen. Der liebe Herr Gregor Gysi zum Beispiel, welcher in jenen Tagen plötzlich direkt in der ersten Reihe im Publikum einer Großdemo stand. Oder auch der liebe Herr Rezzo Schlauch – als die Gegner des Immobilienprojekts einen Wasserwerfer kauften. Als mobile Mahnung und Erinnerung an den 30.09. fuhr dieser auf Demos mit. Es war kaum möglich, ein Bild auf der ersten Demo davon zu machen ohne den Herrn im Bild zu haben.

Nun also doch wieder Stuttgart 21, Herr Özdemir? Schon vergessen, wie Sie diese heiße Kartoffel damals uninteressiert fallen ließen? Nun klar, der Zug S21 ist mittlerweile – nur noch vom Rost und etwas altem CDU-Filz zusammengehalten – wesentlich langsamer geworden. Es scheint ein Leichtes, aufzuspringen. Aber reicht dieses alte Eisen, welches bereits mit dem letzten Rest Schwung in den Abgrund gerissen wird, wirklich für Ihre großen Ziele? Für „…Und jetzt will ich als Spitzenkandidat meinen Beitrag leisten für das beste Landesergebnis unserer Geschichte und ein Direktmandat in Stuttgart erringen.“?

Wäre es da nicht wesentlich weitsichtiger und umschauender – geradezu Weltmännisch – sich jetzt für den logischen Schritt aller Erkenntnisse bei Stuttgart 21 einzusetzen? Klar ist es einfacher, ein jahrelang von Stuttgarter Bürgern in akribischer Kleinstarbeit vorgelöchertes Brett, das über dem Murks 21 lag, wegzubohren. Es besteht ja sozusagen nur noch virtuell und ist bereits wie durch Termiten zu Staub zerfressen. Doch was wäre da ein Ziel wie „Die Generalamnesie aller politisch verfolgten Gegner“ dagegen! Bohren Sie doch lieber an diesem dicken, peinlich schwarzen Brett! Schauen Sie sich doch einmal in der Welt um – welche Protestwellen und Verfolgungen es zur Zeit gibt – was wäre das für ein Zeichen, wenn Deutschland einmal ein positives Zeichen gibt!

Durch die letzten Wochen angestachelt teibt es Sie selbst ja wieder zu diesem toten Projekt – sehen Sie doch selbst, dass sich immer mehr zeigt, wie alle Gegenargumentation sich bewahrheitet! Was wäre also konsequenter als sich dafür einzusetzen, dass die politisch verfolgten und bis heute immer noch massiv juristisch unter Druck gesetzten Menschen endlich in Ruhe gelassen werden? Aller Widerstand war doch mehr als berechtigt, warum also werden die Kettenhunde, welche von der schon längst Geschichte gewordenen CDU-Politik losgeschickt wurden, nicht endlich zurück in ihren Zwinger gesteckt? Nutzen Sie doch die Chance, die Kretschmann und Co. vermasselt haben, und versuchen Sie wenigstens gut zu machen was am Schwarzen Donnerstag passierte!

Klar, an heißen Eisen kann man sich die Finger verbrennen, aber glauben Sie wirklich, Herr Özdemir, dass dieses vermodernde tote „scHerz Europas“ für einen großen Politiker reicht? Sorgen Sie lieber dafür, dass sich ihr Herr Kretschmann endlich einmal bewegt, anstatt seine alten Phrasen über eine Volksabstimmung zu dreschen, ohne die Realität zu beachten. Das würde reichen um diesen Müllhaufen, den die DB hier in Stuttgarter produziert hat, wegzuräumen. (ProjektStopp ist eh keine Lösung mehr. ProjektAUS ist Alternativlos)  Bohren Sie lieber die dicken Bretter die für einen großen Politiker die Welt bedeuten, sonst wird das sicher nichts mit Ihrem Traum vom Direktmandat in BW…

( LoB – 28.12.2012 )

Weiterführender Link aus alten Zeiten zum gleichen Thema – Nov. 2011 Özdemir fordert S21-Gegner zum Einlenken auf