Stuttgart 21 – Turmfalken bedroht durch Abriss des H7 Gebäudes

Stuttgart, 19.04.2012

Fotos von Petra Weiberg

Kaum haben die Abrissarbeiten des H7 (alte Eisenbahndirektion) Gebäudes im Rahmen der Stuttgart 21 Baustelle begonnen, werden fliegende Turmfalken auf und um das Gebäude gesichtet. Der Turmfalke wird nach der EU-VO (Europäische Vogelschutzrichtlinie) 338/97 als streng geschützte Art gelistet. Nach dem der BUND in seiner Pressemitteilung (siehe unten) gefordert hat, die Abrissarbeiten sofort zu stoppen, wurden die Arbeiten laut Projektsprecher Dietrich vorübergehend eingestellt. 

Hier zwei Streams von cams21 vom Gebäude und über die Turmfalken:
Erster Player ab Minute 9:00, zweiter die ersten 2 Minuten

Hier finden Sie die Pressemitteilung der Parkschützer und des BUND zu dem Thema:

Pressemitteilung der Parkschützer

Stuttgart 21: Erneuter Verstoß gegen Naturschutzgesetz, Herr Kretschmann!
Parkschützer fordern MP auf, sich endlich an Recht und Gesetz zu halten

Stuttgart, 19. April 2012: Der BUND legt heute Foto-Beweise vor, dass sowohl im Abbruchbereich am Bahndirektionsgebäudes H7 an der Heilbronnerstraße als auch am Turm des Hauptbahnhofgebäudes Turmfalken gesichtet wurden. Diese Tiere stehen laut Bundesnaturschutzgesetz unter strengstem Artenschutz, wie auch die Hohltauben, Juchtenkäfer und mehrere Fledermausarten, deren Brutgebiete im Mittleren Schlossgarten bereits für Stuttgart 21 ersatzlos vernichtet wurden.

„Ministerpräsident Kretschmann betont immer wieder, er müsse sich an Recht und Gesetz halten“, erinnert Matthias von Herrmann, Pressesprecher der Parkschützer. „Dann muss er das auch endlich tun, indem er und sein zuständiger Landwirtschaftsminister Bonde die Bahn in die Schranken weist. Es darf doch nicht sein, dass die Bahn andauernd ungebremst und ungestraft gegen Sicherheitsvorschriften und Artenschutzvorschriften verstößt und der grüne Ministerpräsident schaut einfach weg! Herr Kretschmann, handeln Sie jetzt und unterbinden Sie die Abrissmaßnahmen, weil die Bahn nicht einmal fähig ist, elementare artenschutzrechtliche Belange zu beachten. Was Grube und Kefer nicht wollen, sollten wenigstens Kretschmann und Bonde tun!“

Das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg unter der Leitung von Minister Alexander Bonde ist für den Artenschutz zuständig.

 

Pressemitteilung des BUND:

Besonders und streng geschützte Turmfalken von S21-Abrissarbeiten akut bedroht

Auf dem Dach des ehemaligen Bahndirektionsgebäudes H7 an der Heilbronnerstraße hat ein Turmfalkenpärchen sein Brutgeschäft begonnen. In unmittelbare Nähe – ca. 10 – Meter hat die Bahn jedoch bereits mit Abrissarbeiten begonnen. Siehe Fotos im Anhang.

Auch im Übergangsbereich des Südflügels zum Bahnhofsturm wurden weitere Turmfalken in einer Nische gesichtet. Hier besteht ein Brutverdacht (siehe Foto). Aufgrund des „Betonbrocken-Falls“ auf eine Passantin vor wenigen Tagen ruhen dort zur Zeit die Abrissarbeiten.

Der Turmfalke ist eine nach dem Bundesnaturschutzgesetz eine besonders und streng geschützte Art.

Für die besonders geschützten Arten gelten nach  § 44 Bundesnaturschutzgesetz bestimmte Zugriffsverbote. Unter anderem ist es verboten, sie der Natur zu entnehmen, zu beschädigen, zu töten oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten bzw. Standorte zu beschädigen oder zu zerstören. Bei den streng geschützten Tierarten sowie den europäischen Vogelarten gilt zusätzlich das Verbot, sie während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs-, und Wanderungszeit erheblich zu stören.

Der BUND fordert die Bahn, das Eisenbahnbundesamt und das Regierungspräsidium auf, sofort die Abrissarbeiten am H7 und am Südflügel zu stoppen bis der genaue Sachverhalt geprüft ist. Bei der zeitnahen Überprüfung  müssen Vertreter des BUND dabei sein. Nach den bisherigen negativen Erfahrungen, z.B. mit den Juchtenkäfern im Schlossgarten, ist diese Skepsis mehr als angebracht. Der BUND hegt auch den Verdacht, dass im Dach des H7 Fledermäuse vorkommen. Eine Überprüfung wurde bisher von der Bahn verweigert.

“Nach dem zweimaligen Versagen bei den Juchtenkäferbäumen hat die Bahn beim Artenschutz um Stuttgart 21 wieder einmal versagt“, sagt Gerhard Pfeifer, BUND-Regionalgeschäftsführer.
Pfeifer weiter: „Die ökologische Baubegleitung von Stuttgart 21 ist einfach ein Farce. Sowohl bei den Untersuchungen im Vorfeld, als auch bei laufenden Arbeiten wird der Arten-und Naturschutz nicht richtig ernst genommen.“

Sollte die Bahn, das Eisenbahnbundesamt und das Regierungspräsidium nicht umgehend auf die Forderungen des BUND reagieren, wird dieser rechtliche Schritten ergreifen.

Info: Turmfalken beginnen Mitte April mit ihrem Brutgeschäft. Die Brutdauer beträgt ca. 30 Tage. Die Nestlingszeit der Turmfalkenjungen dauert im Schnitt 35 Tage.

Rückfragen zur BUND-Pressmitteilung an: BUND-Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer, fon 0711/61970-40
Alle Fotos von Petra Weiberg.

Fotos von Petra Weiberg

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Fotos von Petra Weiberg

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